Elmar Herne dreht Derby und übernimmt Tabellenführung – Westfalia kassiert erste Saisonniederlage
Das Herner Stadtderby in der Damen-Kreisklasse hielt, was es im Vorfeld versprach: Leidenschaft, Emotionen, Tempo und eine volle Halle. Beide Mannschaften kämpften bis zur letzten Sekunde – am Ende jubelte jedoch Elmar Herne, das den bisherigen Spitzenreiter HC Westfalia Herne mit 30:25 (14:14) besiegte und damit selbst die Tabellenführung übernahm.
Der HCW erwischte den perfekten Start. Mit hohem Tempo, klarer Struktur und starkem Umschaltspiel führte Westfalia nach nur 13 Minuten mit 9:2. In dieser Phase griff alles ineinander – Ballgewinne in der Abwehr, präzise Gegenstöße und mutige Abschlüsse. Trainer Jan Kraffzick hatte sein Team hervorragend eingestellt, und die Zuschauer spürten, dass hier etwas Großes möglich war.
Doch dann änderte sich das Bild. Elmar stellte in der Defensive auf eine sehr aktive 5:1-Abwehr um und brachte damit deutlich mehr Aggressivität ins Spiel. Die Gastgeberinnen attackierten früh, störten konsequent den Spielaufbau und nahmen unserem Rückraum den Raum für klare Aktionen. Gleichzeitig verfolgte der Schiedsrichter eine äußerst großzügige Linie, was das körperliche Spiel weiter begünstigte. Mit der zunehmenden Härte tat sich unser Team spürbar schwer. Viele Angriffe liefen ins Leere oder endeten in hektischen Abschlüssen, während Elmar die sich bietenden Räume clever nutzte.
Nach und nach schmolz der Vorsprung dahin. Während Westfalia im Angriff an Durchschlagskraft verlor, fand Elmar immer besser ins Spiel. Die Gastgeberinnen kamen über Kampf, Willen und eine sehr kompakte Deckung zurück in die Partie. Mit dem Halbzeitpfiff war der komfortable Vorsprung dahin – 14:14.
Nach dem Seitenwechsel kippte das Spiel endgültig. Elmar Herne nutzte die Schwächen unserer Defensive gnadenlos aus und kam immer wieder aus der Nahwurfzone zum Erfolg. Besonders die Rückraumschützinnen der Gastgeberinnen fanden zu viel Platz. Der HCW versuchte, sich mit einer defensiveren 6:0-Formation zu stabilisieren, doch die Entlastung im Angriff blieb aus. Beim Stand von 28:20 war die Partie entschieden. Erst in den letzten Minuten gelang es, das Ergebnis etwas zu korrigieren – Endstand 30:25.
Trainer Jan Kraffzick fand nach dem Spiel ehrliche Worte:
„Wir haben richtig stark begonnen, dann aber den Zugriff verloren. Elmar hat clever reagiert, die Abwehr umgestellt und mit viel Aggressivität den Rhythmus gebrochen. Wir haben uns davon zu sehr beeinflussen lassen. Dennoch muss man sagen: Das war ein Spiel auf gutem Niveau, mit Emotion und Kampf – so, wie man es in einem Derby erwartet. Vielleicht war das heute der Dämpfer, den wir brauchten, um weiter zu wachsen.“
Bei aller Enttäuschung bleibt der Respekt gegenüber dem Gegner. Elmar Herne hat gezeigt, dass sie ein erfahrenes Team sind, was in der Kreisklasse manchmal bei hartem statt spielerischen Lösungen vorteilhaft sein kann. Dadurch haben sich die Damen von Elmar in das Spiel hineingebissen, konsequent verteidigt und verdient gewonnen. Doch auch unser Team hat einmal mehr Charakter bewiesen – von Aufgabe war zu keiner Zeit etwas zu sehen.
Schon am kommenden Sonntag wartet die nächste Herausforderung: Im Pokal trifft Westfalia auf die klassenhöhere HSG Hattingen/Sprockhövel. Eine schwierige, aber reizvolle Aufgabe – und die perfekte Gelegenheit, um zu zeigen, dass der HCW zurückschlagen kann.
Der HCW bedankt sich bei allen mitgereisten Fans, die das Team lautstark unterstützt haben. Die erste Niederlage schmerzt, aber sie wird uns stärker machen. Denn eines ist klar: Wir lernen, wir wachsen – und wir kommen zurück.
HC Westfalia Herne:
Hildebrandt (1.–60.), Guttmann (5), Niemann, Herbold (1), Haase, Hanke K. (3), Bannasch (2), Wagner (4), F. Hemmelmann (6), C. Hanke (4), L. Hemmelmann.